Das Patenschaftsprogramm und seine Projekte
Das Patenschaftsprogramm und seine Projekte

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Die Situation

Viele Kinder im Kinderheim „Maria Luisa“ haben traumatische Erlebnisse. Eine fachlich kompetente psychologische Behandlung, findet trotz der vielen Verbesserungen in den letzten Jahren noch immer nicht statt. Dazu wäre eine kontinuierliche Fortbildung der Heimpsychologen notwendig. Diese werden von staatlicher Seite zwar angeboten, entsprechen aber nur selten den praktischen Bedürfnissen in den Heimen. Insbesondere, was die Arbeit mit Roma-Kindern anbetrifft. Der Verein versucht daher selbst praxisorientierte Fortbildungen anzubieten. Da das dafür im Heimbudget vorgesehene Geld knapp bemessen ist, unterstützt das Patenschaftsprogramm solche Fortbildungen.

Inzwischen hat die Mehrheit der Erzieher im Heim einen sozialpädagogischen Abschluss. Doch offenbaren sich bei den jüngeren Kollegen oft Probleme, das im Studium erworbene Wissen in der Praxis adäquat umzusetzen. Hier will das Patenschaftsprogramm durch Supervision und durch Fortbildungsprogramme helfen, deren Inhalt durch den Alltag im Heim selbst bestimmt ist. Das betrifft insbesondere die Arbeit mit Straßenkindern.

Erfahrungen zeigen, wie sehr sich die Kinder nach Liebe und Zuneigung sehnen, nach Freunden und Vorbildern. Nach Menschen also, an die sie sich jeder Zeit mit ihren Problemen, Sorgen und Ängsten wenden können. Menschen, die den Kindern zeigen, dass sie geliebt werden oder dass einfach nur jemand da ist, der an sie denkt, ihren Lebensweg ein Stück weit begleitet und hilft, ihre derzeitige Lebenssituation konkret zu verbessern

Pate oder Patin sein – was heißt das?

Seit mehreren Jahren kümmern sich zahlreiche Patinnen und Paten um einzelne Kinder. Nachdem es bisher möglich war, sein Patenkind über viele Jahre zu begleiten, haben die Reformen im bulgarischen Jugendfürsorgesystem dazu geführt, dass heute weder wir noch die Heimleiter wissen: 1. wie lange ein Kind in der Einrichtung verbleibt und 2. erfahren wir und die Heimleiter erst recht kurzfristig, ob ein Kind für eine Adoption freigegeben wurde. Gleichzeitig erfolgen Adoptionsvermittlungen heute wesentlich schneller als noch vor einigen Jahren. Das ist positiv. Negativ ist, dass es so fast unmöglich ist, ein Kind auf den Weggang aus dem Heim und auf die neuen Eltern adäquat vorzubereiten. Mit der derzeitigen bulgarischen Politik ist mit jeder Adoption zunächst eine neue Traumatisierung der Kinder verbunden. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen können wir derzeit nur Patenschaften für ein Jahr anbieten. Ziel ist es, das kein Kind ohne Paten oder Patin bleibt.

Foto Krasimira schreibt Brief an ihre deutschen Paten

Briefkontakte:

Viele Paten unterhalten seit vielen Jahren einen regen andere einen losen Briefkontakt mit ihren Patenkindern oder deren Erziehern. In den Briefen erzählen die Kinder über ihren Alltag und ihre Sorgen. Die Paten wiederum spenden von Ferne Rat und Trost. Diese Form der Kommunikation hat sich in der Vergangenheit als starke psychologische Hilfe für die Kinder erwiesen und ist zugleich eine sinnvolle Ergänzung der Arbeit der Betreuer. Die Briefe können Paten wie Kinder in ihrer Sprache schrieben. Sie werden vor Ort von einer Mitarbeiterin des Vereins übersetzt. Das heißt, jeder Pate erhält sowohl die bulgarische Originalfassung des Briefes, als auch die deutsche Übersetzung.

Probleme:

In den letzten Jahren hat sich in den Heimen die Anzahl der aus der Roma-Minderheit stammenden Kinder- und Jugendlichen enorm erhöht. Allein die Zahlen im Heim „Maria Luisa“ sprechen eine deutliche Sprache — und sie stehen für die Entwicklung in allen Heimen des Landes! Waren es 1997 noch 70 Prozent bulgarische und 30 Prozent Roma-Kinder, hat sich dieses Verhältnis heute umgekehrt. Leider hat die Mehrheit der in die Heime eingewiesenen Roma-Kinder enorme schulische Probleme, viele sind Quasi-Analphabeten, die nur unzureichend lesen und schreiben können. Dessen müssen sich die Paten bewusst sein.

Diesen Kindern bedeutet es unglaublich viel, Post zu erhalten und die Briefe vorgelesen zu bekommen. Sie sind aber nur selten im Stande, selbst Antworten zu formulieren. Ausgehend von unseren bisherigen Erfahrungen, schlagen wir den Paten dieser Kinder Projektpatenschaften vor, mit denen den Roma-Kindern eigene und ihrer Kultur gemäße Talente und Fähigkeiten gefördert werden. Dazu gehören vor allem eine sportlich-künstlerische Förderung, Schulnachhilfe und eine berufsorientierende Ausbildung. Diese Maßnahmen sollen es den Jugendlichen Alternativen zu den Leben in den Roma-Ghettos aufzeigen, in denen das Leben von Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Armut, Gewalt und Prostitution bestimmt ist.

Foto Renate Quaschinski aus Berlin besucht Mira

Projektpatenschaften:

Jeder neue Pate erklärt sich bereit, mit Abschluss des Patenschaftvertrages einen jährlichen Patenschaftsbeitrag von 120 Euro zu zahlen / monatlich 10 Euro. Das ist wesentlich weniger, als bei den großen internationalen Patenschaftsorganisationen. Und anders als dort kommen die Patenschaftsbeiträge zu 100 Prozent den Patenkindern zugute. Das Geld fließt nicht auf das allgemeine Spendenkonto des Vereins, sondern auf ein spezielles Patenschaftskonto. Dieses dient ausschließlich der Finanzierung von Projekten, die direkt und unmittelbar den Kindern zu Gute kommen. Auf diese Weise finanzieren die Paten bereits heute große Teile des sozialen Lebens im Heim.

Unsere Patenschaftsbeauftragte Dora Stütz freut sich auf Ihre Anfragen!