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31. Januar 2105 Plovdiv: Schneidern gegen falsche Hoffnungen

Am 31. Januar wurde für vier junge Roma-Frauen ein Traum wahr. Sie wurden unter den zahlreichen Interessentinnen ausgewählt, die sich um die Ausbildungsplätze in der vom Verein Zur Förderung Bulgarischer Kinderheime e.V. eingerichteten Berufsausbildungstätte für das Schneiderhandwerk beworben hatten. Am gleichen Tag wurde das neue Projekt des Vereins im Beisein zahlreicher Gäste eingeweiht.

Nach fast einem Jahr Planung und Vorbereitung öffneten sich im Komplex "Sveti Georgi" die Türen zu einer zweiten Berufsausbildungsstätte. 2013 hatte der Verein hier bereits eine Berufsausbildungsküche für behinderte Jugendliche eingerichtet. Die Neue Werkstatt soll nun einen Weg aufzeigen, wie es gelingen kann, jungen Roma aus dem nahen Brennpunkt-Viertel Stolipinovo eine Zukunftsperspektive zu eröffnen.

Auf 140 Quadratmetern wurde eine moderne, helle und freundliche Ausbildungsstätte eingerichtet. "Wir sind froh, mit der früheren Leiterin der Berufsausbildung eines bulgarischen Textilbetriebes eine Frau mit höchster Qualifikation als Ausbildungsleiterin gewonnen zu haben", zeigte sich der Vereinsvorsitzende Mirko Schwanitz bei der Eröffnungsfeier zufrieden.  "Alle unkenrufe, es würden sich nicht genügend ausbildungswillige Menschen aus Stolipinovo finden, die sich dem harten Ausbildungsplan stellen wollen, haben sich nicht bewahrheitet." Tatsächlich hatten sich auf die vier ausgeschriebenen Ausbildungsplätze mehr als 20 Menschen beworben.

"Wir haben uns nach sorgsamen Auswahlverfahren für vier junge Frauen entschieden", erzählt Reneta Veneva den angereisten Medienvertretern. "Mit ihnen muss dieses Projekt nun den Beweis antreten, dass solche Projekte Sinn machen und das es wirklich gelingen kann, bei einer guten Ausbildung und Betreuung, Roma Zukunftschancen zu eröffnen." Warum nicht gleich mehr Ausbildungsplätze eingerichtet wurden, wollte Journalisten wissen. Reneta Veneva wies daraufhin, dass dieses Projekt bisher ohne jedes staatliche oder EU-Hilfe auskommen muss und auschließlich mit deutschen Spenden eingerichtet worden sei. Wenn man die bulgarischen Behörden vom Erfolg überzeugen könne, werde man möglicherweise auch eine staatliche Finanzierung bekommen können."

Vereinsvorsitzender Mirko Schwanitz ist in dieser Hinsicht eher sekptisch. Es habe sich in der Vergangenheit gezeigt, dass es sehr, sehr schwer sei für solch nachhaltige Projekte Gelder in Bulgarien zu bekommen. Aber er würde sich freuen, wenn die institutionelle Förderung solcher Projekte ein Gesprächsthema im Gemeinderat würde. Wir sind aber sicher, dass unsere bulgarischen Partner von der "Nationalen Allianz Zur Arbeit mit Freilwilligen" alles tun werden, um mit dem bulgarischen Bildungsministerium, dem Arbeitsamt und anderen Institutionen, weitere Finanzierungsquellen zu erschließen.

"Bis dahin hoffen wir, dass Kommunen in Deutschland solche Leuchtturmprojekte unterstützen. Denn Werkstätten wie diese könnten nicht nur eine Chance für Roma aus Plovdiv sein, sondern auch für solche, die mit falschen Hoffnungen nach Deutschland gelockt worden sind und deren schiere Menge zahlreiche deutsche Kommunen vor enorme Herausforderungen stellt."  Es wäre unser Wunsch schon bald weitere Plätze für rückkehrwillige Roma einrichten zu können, sagte Schwanitz

 

 

 

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