Warum Bulgarien?
Warum Bulgarien?

„Was einen Menschen ausmacht ist nicht, was er erreicht, sondern was er versucht!“

2001 galt Bulgarien als das Land mit den meisten Heimkindern in Europa. Reformen kommen nur langsam voran. Von 2001 bis 2010 starben 238 Kinder in Behinderten­heimen. Grund: mangelnde Pflege, Hunger und Gewalt…

Erfahren Sie mehr über die Situation in Bulgarien:

Laut einer Studie der Weltbank war Bulgarien im Jahr 2001 mit 35 000 Heimkindern, das Land mit den meisten Heimkindern in ganz Europa. Während sich nach den politischen Umbrüchen in Osteuropa, die Situation in den rumänischen Heimen auch Dank internationalem Engagement kontinuierlich verbesserte, wurde die Situation in den bulgarischen Heimen immer schlechter. Tausende Kinder vegetierten in von Verfall bedrohten Häusern in abgelegenen Regionen dahin. Sie alle lebten in einer Situation, die jener in den rumänischen Heimen 1989 nicht unähnlich war. Und niemand interessierte sich für diese stille Katastrophe mitten in Europa. Weder die Politiker noch die Gesellschaft und schon gar kein Journalist.

Zu diesem Zeitpunkt war der Verein Zur Förderung Bulgarischer Kinderheime e.V. eine der wenigen internationalen Hilfsorganisationen, die sich vor Ort um die verlorenen Kinder Bulgariens kümmerten. Bereits 1999 hatten wir begonnen, eines der marodesten Heime in Bulgariens zweitgrößter Stadt Plovdiv abzureißen und mit deutschen Spendengeldern neu aufzubauen.

In diesem Heim gab es für 50 Mädchen nur eine verdreckte Toilette, das Dach drohte über den Schlafsälen der Jungen einzustürzen, die Fenster waren vergittert, die Erzieher verbrachten die Hälfte ihrer Zeit damit, um Essen zu betteln. Die Kinder, von ihren Eltern ausgesetzt, nach der Geburt in Krankenhäusern „vergessen“, Opfer von Gewalt und Missbrauch, waren alle traumatisiert. Doch es gab weder eine adäquate psychologische Betreuung noch Personal, das in der Lage gewesen wäre, diese Traumata zu erkennen.

Seitdem arbeitet der Verein daran, die Situation der Heimkinder in Bulgarien zu verbessern. 2006 eröffneten wir mit dem Heim „Maria Luisa“ in Plovdiv das bisher einzige, nach der politischen Wende neu gebaute und bis heute modernste Kinderheim des Landes.

In einem zweiten Schritt fördern wir Projekte, die darauf ausgerichtet sind, die psychologische Betreuung der Kinder und die Ausbildung des Personals zu verbessern. Hier setzen wir insbesondere auf das Prinzip „train the trainer“ und unterstützen durch unsere Zusammenarbeit mit der bulgarischen Nichtregierungsorganisation „Nava“ (Nationale Allianz Zur Arbeit mit Freiwilligen) 25 Sozialzentren in sozialen Brennpunktgemeinden im ganzen Land.

In einer dritten Stufe bemühen wir uns, die Zukunftschancen der Kinder zu erhöhen, die die Heime verlassen. Wir investieren in ihre Berufsausbildung und sozialarbeiterische Betreuung nach dem Heimaufenthalt. Noch immer finden 40 Prozent der Jugendlichen wegen mangelnder beruflicher Qualifikation keine Arbeit, landen erneut im Kreislauf von Armut, Kriminalität und Prostitution. Wie notwendig solche Hilfe nach wie vor ist, zeigen auch die 2010 vom Helsinki-Komitee veröffentlichten Zahlen: In den letzten 10 Jahren starben in bulgarischen Heimen 238 Kinder durch mangelnde Pflege, an Hunger und Gewalt.

Der Verein Zur Förderung Bulgarischer Kinderheime e.V. ist eine der wenigen Hilfsorganisationen in Bulgarien, die solch einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen.